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Klassische Musik und Oper von Classissima

Riccardo Muti

Freitag 19. Dezember 2014


Crescendo

22. November

Gute Besserung, Publikum! - Gute Besserung, Publikum!

CrescendoDie Klassik-Stars sind krank? Nein! Es ist unsere Erwartung, die kränkelt. Dagegen gibt es zwar keine Pille, wohl aber ein Rezept.Kranke verdienen Mitgefühl, Trost und Hilfe. All das ist im Klassik-Betrieb keine Selbstverständlichkeit. Bei jeder Absage eines Künstlers schicken Veranstalter, Publikum und Presse nicht nur Genesungswünsche, oft schwingt Enttäuschung mit. Und gute Ratschläge lassen nicht lange auf sich warten: die Klassik-Stars würden angeblich verheizt! Viele müssten einfach öfter Nein sagen. Und überhaupt: der Markt sei schuld an der Krankinitis im internationalen Klassik-Bizz. Dummerweise sind wir alle dieser blöde Markt. Und mit Verlaub, ich kann diese Häme und Besserwisserei so langsam nicht mehr hören! Von altklugen Diven wie Brigitte Fassbaender, Edda Moser oder Christa Ludwig, die dauernd erklären, dass früher alles besser war, dass es keine Stimmschule mehr gäbe, dass die Oberfläche siegen würde und Künstler gar keine Zeit mehr für die Kunst hätten. So, als ob Maria Callas, Glenn Gould oder Carlos Kleiber nie abgesagt hätten. Ganz besonders aber gehen mir die anonymen Kommentatoren in den Klassik-Foren auf den Senkel, die uns mit ihrer Anti-Haltung „vollspamen“ und glauben, besonders mutig zu sein, wenn sie ihr Pseudonym unter Texte setzen, in denen sie wüten, dass „der Villazón doch eh am Ende ist – und das hat er auch verdient. Mochte ihn nie!“, oder dass „der Kaufmann, diese Lusche“ sowieso nicht singen kann, oder dass „der Alagna nicht krank war, sondern einen Knall hat. Gut so, dass er am Ende ist“. Mit Verlaub, aber DAS ist wirklich krank! Können wir bitte mal innehalten? Dass der Klassikstar als Mensch nicht immer funktioniert, ist normal. Der durchschnittliche deutsche Arbeitnehmer fehlt krankheitsbedingt 14 Tage im Jahr. Und Musiker sind schon bei einer kleinen Grippe arbeitsunfähig. Dass im Vergleich so wenige Konzerte ausfallen, zeigt, wie gesund sie in Wirklichkeit sind. Interessant ist, dass der allgemeine deutsche Krankenstand mit der Arbeitslosenquote korreliert. Je weniger Arbeitslose, desto eher melden sich die Arbeitnehmer krank. Mit anderen Worten: Bei Angst um den Jobverlust kommen wir auch mit Grippe ins Büro, je sicherer wir uns fühlen, desto eher nehmen wir uns einen Tag frei. Stress, Konkurrenz und die dauernde Beobachtung gehören zum Alltag des Klassik-Betriebs. Oft werden Musiker mit Spitzensportlern verglichen, aber ein Leichtathlet trainiert mit Ruhephasen und Regenerationen jahrelang auf die 10 Sekunden seines 100-Meter-Laufs bei Olympia hin. Ein Pianist, ein Dirigent oder ein Sänger muss 50, 70 oder 100 Abende im Jahr alles geben: beim Kammerkonzert in Kleinkleckersdorf ebenso wie bei der Premiere an der MET. Und es ist erst einmal logisch, dass viele Künstler – so wie Arbeitnehmer – versuchen, anzutreten. Koste es, was es wolle. Wenn Roberto Alagna, wie neulich bei einer Don-Carlo-Aufführung in Wien, mitten in der Vorführung aussteigt und das Final-Duett als Solo gegeben wird, oder wenn Rolando Villazón wie vor einem Jahr im Konzerthaus Berlin einen Mozart-Abend nach zwei Arien abbricht, kriechen die Besserwisser aus ihren Löchern und schreien: unklug, ungesund – unmusikalisch! Oft geben wir viel Geld für Eintrittskarten aus, und es ist verständlich, dass wir bei einer Absage enttäuscht sind. Aber bitte, sparen wir uns den Spott, der selbst über Künstlern ausgegossen wird, die unter realen körperlichen Krankheiten leiden, etwa Hélène Grimaud, deren Hüfte immer wieder Probleme macht, oder Hilary Hahn, die gerade eine Muskelverletzung auskuriert, über die nicht mehr ganz jungen Dirigenten Ricardo Muti und James Levine, die einfach nicht immer dann fit sind, wenn ein Konzert auf dem Programm steht. Und hören wir bitte damit auf, die Krankheit der Klassik auszurufen. Natürlich ist es richtig, dass Musikern heute viel abverlangt wird. Sie müssen Interviews geben, werden wie Zirkuspferde durch die Arenen getrieben, ihre Terminkalender werden oft vier oder fünf Jahre im Voraus organisiert. Und ja, manchmal können sie einfach nicht Nein sagen, verstehen am Höhepunkt ihrer Karrieren nicht, dass sie in zwei Jahren vielleicht mal eine Ruhepause bräuchten. Dabei geht es nicht einmal immer um das Geld und das große Abkassieren. Musiker sind Künstler, die für ihre Kunst leben, die um die Erwartungen ihres Publikums wissen. Sie sind Gladiatoren unserer Zeit, die ihr Leben und ihre Existenz für unseren Genuss aufs Spiel setzen. Oder sie sind – wenn sie nicht in der Championsleague spielen – schlicht und einfach existenziell abhängig vom eigenen Funktionieren. Es ist bewundernswert, dass Leute wie Kit Armstrong oder Rafał Blechacz nicht über 50 Konzerte im Jahr geben, dass sie sich Auszeiten für das Komponieren oder andere Hobbys gönnen. Dass Christian Thielemann, der mit Rückenschmerzen kämpft, weiß, was er sich zumuten kann und was er annimmt und absagt – meist sind es die zeitaufwändigen PR-Termine. Wie schwer genau das ist, erfahren Sängerinnen wie Anna Netrebko, die aus ihrer Krise 2012 (ein Jahr, in dem auch Jonas Kaufmann und Natalie Dessay pausieren mussten) gelernt haben, die sich inzwischen auf das Singen konzentrieren, auf die behutsame Ausweitung ihrer Klangzone: Macbeth, Vier letzte Lieder und Elsa. Die ihre Familie in den Mittelpunkt stellen und sich inzwischen ein eigenes Tempo in der Öffentlichkeitsarbeit genehmigen. Aber auch das ist uns nicht recht: Selbst weitgehend unbedeutende Online-Portale wie „Klassik4Kids“ zicken herum und berichten ihren jungen Lesern, wie divenhaft die Netrebko sei, da sie keine Zeit für ein Interview habe. "Künstler sind Gladiatoren unserer Zeit, die ihr Leben und ihre Existenz für unseren Genuss aufs Spiel setzen." Ich persönlich habe den Eindruck, dass der Garant der Gesundheit für Künstler in erster Linie ihre Zufriedenheit ist: Klaus Florian Vogt, der mit Frau und Kindern nach Bayreuth reist, zwischen den Proben im Schwimmbad sitzt, der mit einer alten Propellermaschine zu den Konzerten fliegt und sich Abwechslung mit dem Studium von Luftwegen und Wetterberichten verschafft, ist so ein Typ. Einer, dem es gelingt, den Ausnahmezustand auf der Bühne familiär und privat zu erden. So ein Künstler wird seltener krank. Aber das kann nun einmal nicht jeder. Ivo Pogorelich ist eher unberechenbar, und eine Sängerin wie Elisabeth Kulman hadert permanent in der Öffentlichkeit mit dem eigenen Anspruch an den Körper und seinen gesundheitlichen Möglichkeiten. Sie ist fraglos eine der besten Mezzo-Sopranistinnen unserer Zeit. Aber wenn man etwa ihre Facebook-Posts verfolgt, blickt man tief in eine zerrissene Seele: Erst kämpft Kulman bis zur Erschöpfung für die Rechte von Musikern, dann postet sie vor jedem Konzert eine Grußbotschaft für ihre Gemeinde aus der Garderobe, irgendwann kam der Zusammenbruch, und sie versucht, ihre Absagen (neulich bei Chowantschina in Wien) wortreich zu legitimieren. Selbst in der Ruhephase kann sie es nicht lassen, mit ihren Fans zu kommunizieren und ihre Seelenlage zu offenbaren. Inzwischen schickt sie Gedichte wie dieses in die Welt: „Ich gehe meinen Weg, meiner inneren Stimme folgend. Wenn ich sie überhöre, wird sie zur dröhnenden Sirene.“ Es ist bedrückend, diese Unausgeglichenheit zu verfolgen, zu sehen, wie der Betrieb, die eigenen Anforderungen, der Eros der Öffentlichkeit und das Versagen des Körpers das rastlose Denken ohne Kern bestimmen. Natürlich gibt es auch Künstler, die freiwillig Raubbau an ihrem Körper betreiben und die Enttäuschung des Publikums in Kauf nehmen. Der russische Dirigent Valery Gergiev musste neulich ein Konzert der Münchner Philharmoniker in Shanghai absagen, da er parallel zur Tour mit dem Mariinsky-Orchester in Japan konzertierte. Wegen eines Taifuns saß er fest. Im Oktober wollte Gergiev 26 Konzerte geben – 25 hat er absolviert. Das ist nicht nur schlecht für ihn, sondern auch für seine Orchester und seine Zuhörer. Aber was machen wir nun? Ich glaube, dass der wirkliche Keim der Krankheit des Betriebs unser Umgang mit der Klassik ist. Wir lassen sie nur noch in der hohen Luft spielen. Intendanten, Fernsehmacher und ein Großteil des Publikums betreibt Starkult. Das große Geld und die großen Gefühle, so denken wir, können nur die wenigen Künstler garantieren, die gerade gehypt werden – und von ihnen erwarten wir Aufopferung und Selbstzerstörung. Und die schenken sie uns – ohne Rücksicht auf ihren Körper und ihre Familien. Wenn sie dann am Boden liegen, folgt die Häme. Gegen diese Krankheit gibt es keine Pille, wohl aber ein Rezept. Fakt ist, dass die Musik an der Basis durchaus gesund ist: Selten gab es so viele, so gut ausgebildete, so leidenschaftliche Musiker wie heute. Und es würde schon helfen, wenn wir die Klassik endlich wieder als Kunst der Entdeckung begreifen, als Ort der Vielfalt, als Abenteuer der unterschiedlichen Möglichkeiten. Erst wenn wir bei einem Einspringer erkennen, dass wir bei der Geburt eines neuen Stars dabei sein können, wenn wir neugieriger auf den Nachwuchs werden als auf das Event, würden wir die wenigen Superstars entlasten. Es muss darum gehen, Musik wieder in ihrer Breite zu erleben und die Anstrengungen auf viele Schultern zu verteilen. Mit dieser Neugier würde es uns auch nicht schwerfallen, Künstlern, die krank werden, einfach nur gute Besserung zu wünschen! Axel Brüggemann

nmz - KIZ-Nachrichten

3. Oktober

Kollektive Kündigung für Orchester und Chor an Roms Oper

Rom - Schock an Roms traditionsreicher Oper: Das notorisch unterfinanzierte Haus hat angekündigt, allen Mitgliedern des Orchesters und des Chors zu kündigen und die Arbeit der Künstler künftig auszugliedern. Die Alternative sei eine Schließung des Opernhauses, sagten Roms Bürgermeister Ignazio Marino und Intendant Carlo Fuortes nach einer Sitzung des Aufsichtsrats des Theaters am Donnerstagabend der Nachrichtenagentur Ansa zufolge. Vorgesehen ist nun, dass die gekündigten Mitglieder eine eigene Vereinigung gründen, die dann künftig mit der Oper zusammenarbeitet, aber nicht mehr Bestandteil des Hauses ist. Von dem Stellenabbau, der mehr als 3,4 Millionen Euro an Einsparungen bringen soll, sind den Angaben zufolge über 180 der 460 Mitarbeiter betroffen. Arbeitnehmervertreter reagierten geschockt und kündigten Widerstand an. Weiterführende Informationen:  Oper Romhttp://www.operaroma.it/ita/index.php kiz-Nachricht zu Riccardo Mutihttp://www.nmz.de/kiz/nachrichten/riccardo-muti-verlaesst-roms-oper Weiterlesen






Crescendo

11. Juni

Oper in der Türkei: Karriere statt Klischee - Oper in der Türkei: Karriere statt Klischee

Wenn von großer Oper die Rede ist, denkt man an Mailand und Wien, nicht aber an die Türkei. Serhan Bali, der Chefredakteur des türkischen Klassikmagazins “Andante” in Istanbul, gewährt uns einen Einblick in die Operntradition seines Landes. Die Geschichte der türkischen Oper geht zurück bis in die Zeit des Osmanischen Reichs. Wir können das Jahr sogar genau benennen, in dem die westliche Musik die Türkei erreichte: 1826. Es war das Jahr, als Giuseppe Donizetti, der ältere Bruder des berühmten italienischen Opernkomponisten Gaetano Donizetti, von Sultan Mah­moud II. nach Istanbul eingeladen wurde. Er sollte eine neue Militärkapelle aufbauen – nachdem die Kapelle der türkischen Janitscharen abgeschafft worden war. Nach 1839 eröffneten Impresarios aus den Minderheiten-Gruppen zahlreiche private Theater, in denen viele Opern und Operetten auf dem Programm standen. Die Besucher dieser Häuser waren hauptsächlich Truppen aus Italien und Frankreich. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es in der osmanischen Türkei nicht die geringsten Ambitionen, musikalische Konservatorien einzurichten, wie es sie zum Beispiel im zaristischen Russland gab. Nach dem Niedergang des Osmanischen Reiches war es der Gründer der „modernen Türkei“, Mustafa Kemal Atatürk (1881–1938), der es als Teil seiner Staatspolitik ansah, der westlichen Musik mit ihren Auftritts- und Ausbildungsinstitutionen auch in der Türkei einen Raum zu geben. Genauso wie die Deutschen und Österreicher, die direkt nach dem Krieg vor allen anderen ihre Opernhäuser wieder aufbauten, eröffnete auch Atatürk 1924, direkt nach Gründung der Republik, eine Schule für Musiklehrer in Ankara. Die ersten Absolventen – die ersten Opernsänger! – gingen ab 1936 auf das erste staatliche Konservatorium in Ankara. Es war genau diese erste Generation von Sängern, die 1949 zur Keimzelle der Staatlichen Opern- und Ballett-Kompanie wurde. Mittlerweile hatte Atatürk bereits die erste türkische Oper, Oszoy von Adnan Saygun, in Auftrag gegeben. Bis in die 1990er wurden fünf weitere Opernkampagnen in verschiedenen Städten der Türkei aus dem Boden gestampft, unter anderem in Istanbul. Sie alle standen unter dem Schutzschirm des „General Directorate of the State Opera and Ballet“, das zum Kultur- und Tourismusministerium gehört. Die Tradition der Oper in der Türkei, mit all ihren Ausbildungsinstitutionen und künstlerischen Einrichtungen, ist jeder anderen Nation der östlichen Welt weit voraus. Oper und Ballett wurden, gemeinsam mit der sinfonischen Musik, zur kulturellen Priorität Nummer eins aller Regierungen nach Atatürks Tod. Es gab Zeiten, da waren die türkischen Politiker der Musikszene nicht sehr wohl gestimmt – aber auf die Idee, die Unterstützung der Oper und der Klassik zu unterlassen, kam niemand. Seit 2002 ändert sich das. Seit dann verschlechtert sich die florierende Musikszene – denn die Politiker der regierenden AKP-Partei haben keinerlei Wissen und Interesse an diesen sogenannten „westlichen Künsten“. Es sind die traditionellen türkischen Künste, wie die klassische türkische Musik und die islamischen bildenden Künstler, die auf ihrer Agenda wieder einen höheren Platz einnehmen. Das war nicht weiter schlimm – bis 2012 der Premierminister R. T. Erdogan erkärte, dass alle künstlerischen Institutionen, inklusive Oper, Ballett, Sinfonieorchester und Theatergruppen, die dem Staat gehörten, privatisiert werden sollten. Ein Staat solle keine Theater betreiben, findet Erdogan. "Die Bühne ist so klein, dass große Produktionen wie Aida hier überhaupt nicht aufgeführt werden können. Und das Ballett tanzt zu Playback-Musik." Trotz aller Reformen und Veränderungen war – und ist – Oper, Ballett und orchestrale Musik nur die Leidenschaft einer kleinen Minderheit in der Türkei. Die Gegebenheiten sind dabei nicht immer einfach: Klassikinteressierte in Istanbul sind genötigt, sich Opern im Sureyya-Opernhaus, einem kleinen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, anzuschauen – weit weg vom kulturellen Zentrum der Stadt, mit läppischen 600 Sitzplätzen. Die Bühne ist so klein, dass große Produktionen wie Aida hier überhaupt nicht aufgeführt werden können. Und das Ballett tanzt zu Playback-Musik. Wegen der Subventionen durch den Staat sind Operntickets in der Türkei relativ günstig im Vergleich zu allen anderen privaten Kunst-Events. Aber weil auch hier die Budgets klein sind (das Budget von 2013 für die Opernhäuser beträgt 70 Millionen Euro für alle sechs Häuser!), können kaum große ausländische Sänger eingeladen werden, und die meisten Produktionen werden ausschließlich von türkischen Sängern gestaltet. Der Altersdurchschnitt des türkischen Publikums ist dagegen überraschend niedrig. Es gibt viele Besucher im Alterspektrum zwischen 18 und 40 Jahren. Das Alterslevel in den kleinen Opernhäusern ist sogar noch niedriger! Woran das liegt? Der Hauptgrund ist wohl der hohe Prozentsatz an jungen Leuten in der türkischen Bevölkerung. Die Inszenierungen in allen Opernhäusern der Türkei sind im Allgemeinen eher konservativ. Aber es gibt eine kleine Gruppe an Regisseuren (u. a. Yekta Kara, Mehmet Ergüven, Recep Ayyilmaz), die in jeder Saison wirklich sehenswerte Produktionen kreieren, die manchmal an den Grenzen des Regietheaters kratzen. Die bekannteste türkische Opernsängerin mit einer großen Karriere war die Sopranistin Leyla Gencer (1928-2008). Sie war hochangesehener dramatischer Koloratur-Sopran und wurde oft als die Letzte der großen Diven bezeichnet – ihr Belcanto-Repertoire wurde mit den besten Sängerinnen verglichen, Maria Callas inklusive! Heute ist Gencer die größte Inspiration für alle jungen türkischen Opernsänger. Alle zwei Jahre findet in Istanbul ein Gesangswettbewerb statt, der ihren Namen trägt. Dabei hatten die meisten Menschen in der Türkei wenig Wissen über Leyla Gencer. Erst als der bekannte türkische Journalist Zeynep Oral eine Biographie über sie veröffentlichte, wurde sie zur Heldin unter den Opern-Liebhabern – wenngleich immer noch nicht unter der breiten Masse! Heutzutage gibt es eine Fülle an jungen Türken, die ihre erste Gesangsausbildung in der Türkei bekommen haben, die in fremde Länder umsiedeln, um dort eine höhere Musikausbildung zu absolvieren. Diese Young-Stars kommen in der Regel nicht in ihr Heimatland zurück, sondern nutzen ihre Chancen in der Fremde. Und sie schlagen sich gut. Es gibt viele junge türkische Opernsänger in Opernhäusern überall in Europa – viele in Solo-Partien. In dieser Hinsicht haben wir viel der Siemens Opera Competition zu verdanken. Der seit 1998 jährlich in Istanbul stattfindende Opernwettbewerb ist ein wichtiges Sprungbrett: In den letzten 15 Jahren hat dieser Wettbewerb viele türkische Opernstars hervorgebracht. Der Gewinner des Wettbewerbs bekommt die Möglichkeit, für ein Jahr am Opernstudio des Karlsruher Staatstheaters zu arbeiten. Der Zweitplatzierte bekommt sechs Monate Gesangsunterricht am Salzburger Mozarteum. Die Intendanten der Staatstheater von Karlsruhe und Nürnberg sowie dem Salzburger Landestheater sitzen jedes Jahr in der Jury des Wettbewerbs. Einige der Wettbewerbsgewinner haben es bis an die Metropolitan Opera in New York geschafft – und an die Mailänder Scala. „Was ist in der Türkei passiert, dass wir plötzlich mindestens einen türkischen Sänger in jedem Opernensemble haben, das wir besuchen?“ Diese Frage hört man unter europäischen Opernkennern neuerdings öfter. Der erfolgreichste Gewinner der Siemens Opera Competition war sicherlich Burak Bilgili. Nach dem er den ersten Wettbewerb 1998 gewonnen hatte, stürzte er sich sofort in eine weltweite Karriere und wurde 2004 der erste türkische Opernsänger, der als Solist auf der Bühne der Metropolitan Opera in New York singen durfte (nicht einmal die Grand Dame Leyla Gencer hatte das vorher getan!). Die Sängerin Simge Büyükedes, Preisträgerin 2004, arbeitet nun mit Riccardo Muti in seinen Opernprojekten – genauso wie Asude Karayavuz, der 2005 den zweiten Platz belegte und nun als Solist von La Scala bis Valencia singt. Hale Soner, die Gewinnerin von 2004 ist Mietglied der Magdeburger Oper. "Die Tage, in denen man die Türken nur brauchte, um die Klischee-Türkenrollen der Oper zu besetzten, sind lange vorbei!" Natürlich wurden nicht alle dieser jungen türkischen Sänger nur mit dem Preis der Siemens Competition ausgezeichnet. Gunes Gurle zum Beispiel ist Mitglied der Deutschen Oper am Rhein seit zehn Jahren und Mert Sungu singt als Mitglied des Jungen Ensembles auf der Bühne der Semperoper Dresden. Der Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb, bei dem Gurle erfolgreich abschnitt, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, junge türkische Künstler der internationalen Opernwelt vorzustellen. Natürlich leben nicht all diese Gesangswettbewerbsgewinner außerhalb der Türkei – ein paar Dutzend von ihnen kommen nach der Ausbildung in Deutschland oder Österreich in ihr Heimatland zurück, um die Bühnen der türkischen Opernhäuser zu erobern. Wenn wir auf das Repertoire blicken, für das die jungen türkischen Sänger in ihren Ensembles angefragt werden, können wir auf ein breites Spektrum schauen: Von Zerbinetta über Ariadne auf Naxos bis zu Ford in “Falstaff”, vom Cherubino in Mozarts „Die Hochzeit des Figaro“ zu Riccardo Pery in „Anna Bolena“, von Fjodor in „Boris Godunov“ bis Clorida in „Il Combattimento di Tancredi e Clorinda“ – es gibt wirklich eine begeisternde, luxuriös große Auswahl an Rollen, die die jungen Türken singen können. Alle Intendanten von Deutschen Häusern, die ich im letzten Monat in Istanbul zum Gespräch traf, berichteten enthusiastisch von der Vielseitigkeit unserer Sänger. Natürlich gibt es immer wieder angesehene türkische Bässe, die traditionellerweise für die Rolle des Osmin in „Die Entführung aus dem Serail“ gecastet werden – aber die Tage, in denen man die Türken nur brauchte, um die Klischee-Türkenrollen der Oper zu besetzten, sind lange vorbei! Die große Operndiva Leyla Gencer wäre definitiv stolz auf ihre jungen Kollegen. Für unseren Opernschwerpunkt konnten wir den Chefredakteur und Gründer des türkischen Klassikmagazins Andante gewinnen. Bali ist ein echter Kenner der Szene und führt uns mit seinem Text in die Geschichte und Gegenwart der klassischen Musik in der Türkei ein. Neben seinem Job als Andante-Chefredakteur ist Bali außerdem Jury-Mitglied der Internationalen Classical Music Awards ICMA (www.icma-info.com) und Gründer und Chefredakteur der Zeitung Opera & Ballet der Staatsoper und des Ballet Directorate der Türkei. Für den Pianisten Fazıl Say hat Bali an dessen letztem Buch – der Titel lautet, ins Deutsche übersetzt, “Die Traurigkeit der Einsamkeit” – mitgewirkt. Bali lebt und arbeitet in Istanbul. Serhan Bali

Riccardo Muti

Riccardo Muti (28. Juli 1941) ist ein italienischer Dirigent. Am 1. Januar 2000 wurde er einem Millionenpublikum bekannt, als er die Wiener Philharmoniker zur Begrüßung des neuen Jahres und des neuen Jahrtausends dirigierte, was weltweit im Fernsehen übertragen wurde.



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